{"id":567,"date":"2020-01-31T13:33:21","date_gmt":"2020-01-31T13:33:21","guid":{"rendered":"http:\/\/andreashansche.de\/?p=567"},"modified":"2020-02-01T07:07:52","modified_gmt":"2020-02-01T07:07:52","slug":"antisemitismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreashansche.de\/?p=567","title":{"rendered":"Antisemitismus"},"content":{"rendered":"<p>Im Abendl\u00e4ndischen das J\u00fcdische, was ist das? Das durch die Bibel \u00fcbermittelte, mittelbar durch das Christentum hereingekommene. Der Austausch zwischen j\u00fcdischen und abendl\u00e4ndischen Gelehrten vom Mittelalter bis hin zur schrittweisen Emanzipation der Juden seit Napoleon war marginal. Trotz Spanien. Es wird eher eine Absto\u00dfung gewesen sein, eine Einkapselung eines Fremdk\u00f6rpers durch Ignoranz im besten Falle im schlimmsten durch direkten Angriff. <\/p>\n<p>Die j\u00fcdischen Gemeinden, besonders in Mitteleuropa, trugen einen l\u00e4ngst vollzogenen und in Diasporen ge\u00fcbten Wandel, von der Stammeskultur zum Volk, da\u00df sich einen Gott, zum Gott der sich ein Volk auserw\u00e4hlt, l\u00e4ngst hinter sich.<\/p>\n<p>Die mittelalterlichen Deutschen, aus dem Tribalismus in das Christentum gezwungen, befinden sich in einem Zwiespalt. Das neue Gesetz, die neue Ethik, es dauert lange und ist wohl nie ganz vollzogen worden. Der moralische Druck, unter dem Gesetz Gottes zu leben und die Schwierigkeit dazu. Der Neid dessen, der  mit seiner Schuld konfrontiert wird, mit einem Hin und Her von Drohung, Strafe und L\u00e4ssigkeit auf eine h\u00f6chst aktive und lebendige Kultur, deren inneres Sein haupts\u00e4chlich darin bestehen zu scheint, die Balance zwischen Gottes Gesetz und dem schwachen Menschen so zu halten, da\u00df der Mensch dabei mit sich und Gott im Gespr\u00e4ch bleiben kann. Das Judentum hat die individuelle Verantwortung lange vor der europ\u00e4ischen Moderne erfunden, allerdings in der identit\u00e4ren Dreieinigekeit von Gott &#8211; Volk &#8211; Einzelnem. Sie ist nicht universell wie im Christentum, das seine Aufgabe nie ganz erf\u00fcllt hat. <\/p>\n<p>Der tribale Rest, der zu unterdr\u00fccken ist, kehrt sich immer wieder hervor. Der Nationalsozialismus ist auch eine Trotzreaktion dem Christentum gegen\u00fcber und sah zurecht seinen Hauptfeind in der stillen G\u00fcte, die im Anerkennen alles Menschlichen liegt. <\/p>\n<p>Schwindet das, was bisher Raum f\u00fcr individuelle Identit\u00e4t gegeben hat, sei es Heimat oder Nation, finden sich Einzelne in neue identit\u00e4re St\u00e4mme. Hier gilt die Zusammengeh\u00f6rigkeit mehr, als die Individualit\u00e4t. Die Praktiken der identit\u00e4ren Selbstbehauptung k\u00f6nnen unter Umst\u00e4nden ebenso aggressiv sein, wie die der territorialen.<\/p>\n<p>Das Talent der Juden zu einer vom Territorium unabh\u00e4ngigen (wenn auch gezwungenerma\u00dfen und bis 1948) aber Trotzdem-Existenz als Volk scheint im Auseinanderdriften der Welten bei gleichzeitigem Zusammendr\u00e4ngen zu neuen Kollektivismen umso sonderbarer. Das Judentum, da\u00df trotz Verstreutsein jeden seiner Einzelnen in einem ganz eigenen Spannungsverh\u00e4ltnis zu sich und zu seinem Volk h\u00e4lt. Es ist weder universell, noch v\u00f6lkisch, noch tribal, noch interessenvertreten. <\/p>\n<p>Seine Einzigartigkeit macht auch heute noch den Neid aus. Wo Alle nach Identit\u00e4t streben, werden die beneidet, die sie fast wie von selbst zu besitzen scheinen.       <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Abendl\u00e4ndischen das J\u00fcdische, was ist das? Das durch die Bibel \u00fcbermittelte, mittelbar durch das Christentum hereingekommene. Der Austausch zwischen j\u00fcdischen und abendl\u00e4ndischen Gelehrten vom Mittelalter bis hin zur schrittweisen Emanzipation der Juden seit Napoleon war marginal. Trotz Spanien. 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