Einschränkung

Auch eine, selbst wenn ich mich nicht beschränken lassen will: die des Themas. Nicht darüber zu reden ist eine, darüber zu reden eine, wenn das Thema so eine Herrschaft hat, eine über die Gedanken.

Desinfektion & Diktatur

In der DDR wurde manisch desinfiziert. Der Ausbruch einer Seuche oder Epidemie hätte möglicherweise den Bau einer Diktatur gefährdet, deren Schwäche darin lag, nicht immer zu wissen, wo die Schwächen sind.
Die Demokratie hat Möglichkeiten geschaffen, daß in ihr Wohlstand entsteht. Die Wahrung von Wohlstand scheint im Rang vor dem Achten auf demokratische Balancen zu stehen. Zumindest für die Meisten. Die Wahrung von Gesundheit ist zuerst Sache des Einzelnen, der Staat als Beauftragter des Volkes kann versuchen, daß optimale Bedingungen für eine Krankensorge entstehen. Die Angst vor dem Verlust des Wohlstandes, der auch ein Gesundheitsstand ist, wird Angst vor Verlust der Gesundheit, wird Angst vor dem Tod. Die Demokratie ist bis jetzt ohne panischen Seuchenschutz ausgekommen.
Seuchenschutz als Bollwerk gegen Verlustangst.
Demokratie und freies Unternehmertum führen zu Wohlstand; die Angst vor dem Verlust, schaffen Demokratie und freies Engagement ab. Das neue System, das entsteht, ist auf den permanenten Seuchenschutz angewiesen: Es weiß ja nicht, was seine Existenz bedroht.

Anti-Körper

Der Krieg gegen ein Virus, gegen Alle, die sich nicht in die Einheitsfront gegen das Virus einreihen, ist ein Stellvertreterkrieg. Jeder ideologische Extremismus findet in ihm seine Kampfeinheit.
Fast könnte man sagen, daß der Krieg Aller gegen Alle und der große Wunsch nach Friede, Freude, Eierkuchen für alle Menschen in eine aberwitzige, gespenstische Zusammen-Bewegung geraten sind. Der Freie nimmt kein Blatt vor den Mund und steht stummen Masken gegenüber. Wissenschaft als amtliche Exegese. Die persönliche Urteilskraft zerfressen von einer an sich selbst zweifelnden Gesellschaft, deren Individuen nicht mehr unteilbar sind.
Eine solche Gesellschaft muß sich durch alles angegriffen fühlen, was verunsichert. Auch durch ein Virus, dessen Gemeinheit in seiner Harmlosigkeit zu stecken scheint. Die Anwendung der stalinistischen Methode von Kritik und Selbstkritik läßt aufhorchen.
Allerdings wächst das Rettende auch, zumal der Widerstand gerade im medizinischen Kompetenzbereich groß ist und sich nur eindämmen ließe unter stalinistischen Bedingungen, mit einer Drohkulisse von Lager und Erschießungskommando. Immunität einer Gesellschaft gegen das Totalitäre, geht die Immunität des Einzelnen voraus. Die persönlichen Urteilskraft als Anti-Körper.

Zitat

Die Lösung

Nach dem Aufstand des 17. Juni
Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands
In der Stalinallee Flugblätter verteilen
Auf denen zu lesen war, daß das Volk
Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe
Und es nur durch verdoppelte Arbeit
zurückerobern könne. Wäre es da
Nicht doch einfacher, die Regierung
Löste das Volk auf und
Wählte ein anderes?

Bertolt Brecht

Zitat:

Ich fühle mich wirklich gut! Habt keine Angst vor Covid. Lasst es nicht euer Leben dominieren.

Donald Trump

Liebe Weltverbesserer,

ich muß das jetzt mal so sagen: Ihr seid die größte Niete seit Martin Schulz. Ihr kämpft gegen Überwachung, gegen Ungerechtigkeit, gegen die Diskriminierung von X, Y und Z. Ihr haut Euch auf die Brust vor lauter Antifaschismus. Ihr kriegt das Maul nicht voll genug vor Zivilcourage. Die Eier schwellen euch an vor Mut.
Nun ist eingetreten, was ihr behauptet habt, zu befürchten. Der größte Bruch von Freiheitsrechten seit Honecker.
Und wo seid ihr gewesen, als man euch gebraucht hat? Ihr stolzen Avantgardisten?
Im Homeoffice des Klassenkampfes. Mit Schiß in der letzten Reihe, den Affenlappen vorm Mund.

die deutsche Linke

würde, wenn sie eine selbstkritische Instanz hätte, würde sie sich vorhalten, daß sie es versäumt hatte, auf die Maßnahmen zur Einschränkung von Grundrechten zu reagieren; anders als es nun der Fall war, nämlich im Tonfall eines Plakates der Antifa: Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit.
Ein Argument, daß in der DDR zigfach zu vernehmen war.

Versuch & Irrtum III

Das Wünschenswerte: eine lange Zeit des Friedens, Arbeitens, Reifens, des Wachsens. So schien es bis vor ein paar Jahren auszusehen. Menschen – für die Leben eher eine Beschwernis, die Denken notwendig macht, um Leichtigkeit wenigstens in diesem Zusammenhang zu spüren – eine nutzlose Randgruppe.
Jedes Problem findet seine Lösung, im Zweifel schlage ich nach, seit einiger Zeit hat man die Antworten technisch parat. Was bringt es, sich zu streiten, wenn die Lösung irgendwo steht? Wie käme man dazu, zu urteilen, ehe man nicht alle Möglichkeiten des Falsch-Liegens ausgeschlossen hätte?
Wie ist es gekommen, daß die Verbreitung eines Richtig/Falsch-Musters so grassierend durchschlagen konnte? Unsere Irrwege durch die Maschinen mit ihren false-Rückgabewerten, bis wir in der Lage waren, elektronisch zu jemandem zu sprechen.
Vor dem Tod bewahrt uns keine Maschine. Wir können eine Reinheit erzeugen, die zwar nie 100 oder 0 Prozent erreicht, uns aber im Perfekten wähnen läßt.
Trotzdem quält uns das minimalste Prozent. So klein es sei, dahinter lauert der Tod in seiner ganzen Größe. Es ist eine Magie unseres Daseins, daß sich elementare Dinge zwar in der Infinitesimalität verstecken lassen, aber dann plötzlich auftauchen, als wäre da schon immer eine Tür gewesen.
Die Sinne für Gefahr, die nötige Aufmerksamkeit, eingerostete Muskel, die aus der bequemen Position rucken und erst wieder lernen müssen.

Maskentragende

Als würden sie sich für das Vertrauen, das sie in die Regierung setzen, mit dem Tragen einer Maske bedanken. Sich bei sich selbst bedanken für die eigene Folgsamkeit.

Befiel du deine Wege

Wie gut wir doch durch diese Krise gebracht worden sind. Ein Bekenntnis in Vertrauensseligkeit, wo doch gerade das Vertrauen mißtrauisch sein sollte, angesichts der Meinungs- und Fahnenschwenks, die jedesmal mit der tiefsten Überzeugung eines Richtig begleitet werden.
Unmündigkeit angesichts der Verunsicherungen, die die permanente Anwesenheit des Krisenhaften auslöst.
Befiel du deine Wege in ein Handeln von Menschen.
Ein starker und mächtiger Gott ließe uns neben sich auch stark sein, zumindest denen gegenüber, die wissen, was gut für uns sei. Aber dazu sind wir nicht naiv genug. Aber ängstlich genug, anderen Menschen zu glauben.