…die Gleichung von Bürger und Mensch geltend zu machen, wobei man entweder die Adligen als Sezessionisten der Menschheit abschaffen wollte oder die Menschheit insgesamt in den Adelsstand zu erheben suchte,…
Peter Sloterdijk: Du mußt dein Leben ändern, S. 26
Hier werden zwei Prinzipien der Emanzipation erwähnt: das jacobitische, welches alle Abweichungen nach oben guillotoniert oder das sozialdemokratisch-reformistische, welches Emanzipation als Bildung und dem damit verbundenen Aufstieg begreift.
Die heutige postkoloniale, antirassistische, feministische, linksidentitäre und Gender- Ideologie kennt allein den jacobitischen Weg. Der Weg der individuellen Anstrengung ist nicht mehr vorgesehen, man schließt sich zu Gruppenidentitäten zusammen, die davon leben, die zu denunzieren, zu bekämpfen, die das individuelle Glück und Fortkommen in der eigenen Leistung sehen und suchen.
Hier geht es um Gruppen, die zwar ihre Gleichheit vor dem Gesetz erkämpft haben, aber in ihrer Freiheit eher eine Zumutung sehen; lieber wollen sie im Nachhinein diejenigen bestrafen, die sie in diffusen Ressentiments für das eigene Scheitern verantwortlich mach(t)en.
Hier endet die Aufklärung, in der das Individuum aus Ständen, Klassen, Rassen und Geschlechtern als solches heraustrat in einen erweiterten Möglichkeitsraum und soll sich wieder in Gruppen einreihen. Was progressiv deklariert wird, ist ein Rückschritt in eine tribale Archaik, es ist die Reaktion auf die Freiheit.