Rosalinde: …macht alle Ersprießliche in Eurem eigenen Lande herunter, entzweit Euch mit Eurer Geburt und scheltet den lieben Gott, daß er Euch kein andres Gesicht gab…
Jaques ist der Melancholiker in Shakespeares Wie es Euch gefällt. Es ist nicht die Melancholie Dürers, auf ihn wartet kein tätiges Leben.
Jacques: Ich habe weder des Gelehrten Melancholie, die Nacheifrung ist, noch des Musikers, die phantastisch ist, noch des Hofmanns, die hoffärtig ist, noch des Soldaten, die ehrgeizig ist, noch des Juristen, die politisch ist, noch der Frauen, die zimperlich ist; noch des Liebhabers, die das alles zusammen ist, sondern es ist eine Melancholie nach meiner Weise, aus mancherlei Ingredienzien bereitet…
Als (nicht mehr ganz) junger Mann versuchte ich einmal einem amerikanischen Touristen im ICE zu erklären, warum dieses ganze Westdeutschland ein einziges Disneyland wäre. Aus mir sprach der von seinen Mitostdeutschen noch Enttäuschte, der nicht verziehen hatte, daß jene nicht bereit waren, die ddr zu reformieren, sich für den Anschluß an den Westen entschieden hatten. Ich hatte die Enttäuschung in ein antiwestliches Ressentiment verwandelt. Die Antwort des Amerikaners: But its nice.
Nach dreißig Jahren tätigen Lebens hat mich mein innerer Jaques verlassen, ein wenig seiner Melancholie blieb. Den Wert einer Wert-schöpfenden Gesellschaft weiß ich inzwischen zu schätzen, um so mehr, da es Anzeichen auf einen möglichen Verlust gibt. Die Figur des Jaques aber ist seitdem eine massenkonsumerable: wie er mich verließ, scheint er sich rings vermehrt zu haben.
Die heutigen Jaques.2.0.Klone sind besessen vom Ressentiment gegen eine Bildung, die sie nicht haben, obwohl sie gegen ihren Mangel protestieren.
Übersetzung: August Wilhelm Schlegel
